Gaudete! – Weihnachten 2009

BZ_LogoHohe Qualität, durchgehender Genuss
(veröffentlicht am Di, 22. Dezember 2009 auf badische-zeitung.de)

Freiburger Kammerchor überzeugt in der evangelischen Kirche in Neustadt mit einem nicht nur weihnachtlichen Konzertprogramm

TITISEE-NEUSTADT. Der Schnee auf den Dächern draußen bot die passende Kulisse, weihnachtliche Stimmung herrschte auch im Innern der hell erleuchteten Evangelischen Kirche zum Adventskonzert des Freiburger Kammerchors. Gespannt lauschten die Besucher den 62 Sängerinnen und Sängern.

Ein Konzerterlebnis kann immer vorausgesetzt werden, wenn der Chor unter Leitung von Morten Schuldt-Jensen auftritt. Es begann ungewöhnlich, aber dem Auftrittsort angemessen. Die Sängerinnen und Sänger schritten, jeder eine brennende Kerze tragend, an den Kirchenbänken vorbei nach vorne zum Altar, wo sie sich formierten und „Es ist ein Ros entsprungen“ anstimmten.

Nach diesem gelungenen Auftakt sang der Chor nahezu pausenlos – in der Kirche scheute sich das Publikum davor, zwischendurch zu klatschen – Weihnachtslieder aus ganz Europa. Das Ensemble nahm auch traditionelle deutsche, französische und böhmische Musik mit auf seine Adventsreise. Und das ganze unter einer klaren Chorleitung. Morten Schuldt-Jensen leitete bestimmt. Vom Einsatz über die Taktarten bis zum Abschlagen. Der Zuhörer bemerkte, mit welcher Akribie er sich den einzelnen Stücken widmete, eine der Grundlagen, um solch eine anspruchsvolle Chorliteratur singen zu können. Mit Körpereinsatz formte er seine „singenden Schützlinge“ zu einem klingenden Ganzen.

Man hätte eine Stecknadel fallen gehört

Bei den sich anschließenden Stücken wie „Virgo glorioso“ von August Dödermann oder „Laudate Dominum“ von Niels la Coeur zeigte der Chor stimmliche Ausgewogenheit und sängerische Sensibilität. Stücke, die in einzelnen Passagen Einfühlsamkeit und „gesangliche Stille“ forderten, wechselten sich mit gut dosiert eingesetzter Dynamik zu kraftvoll vorgetragenen Werken, und dies alles mit einer vorzüglichen Artikulation.

Diese hohe Qualität zog sich durch das einstündige Programm. Der Zuhörer durfte die Augen schließen und genießen, bei einigen Liedern hätte man eine Stecknadel in der Kirche fallen hören können.

Seinen Höhepunkt fand das Konzert mit „Gaudete“, einer Weihnachtsgeschichte nach alten Liedern des schwedischen Komponisten Anders Öhrwall. „Nicht dass wir Gott lieben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn, uns zu erlösen von den Sünden“, las Reinhard Danner aus dem Johannes-Evangelium, und Fagott (Robin Billet), Oboe (Bence Haas) und Querflöte ( Martina Hübner) gaben ein fröhliches Vorspiel zu „In dulci jubilo“.

Anders Öhrwall stand, als er das Werk 1962 komponierte, die Musik aus allen Epochen zur Verfügung. Er schöpfte reichlich daraus, um Texte und Melodien aus dem Schulgesangbuch „Piae Cantiones“ aus dem Jahre 1582 in eine neue, ansprechende Fassung für ein Weihnachtsoratorium zu legen. Da sei vieles ungewohnt, wandte sich Morten Schuldt-Jensen ans Publikum. Wie etwa die Harmonien beim „Es ist ein Ros entsprungen“, aber interessant bleibt die Komposition jederzeit. Das Gloria beispielsweise, in dem das Fagott das gesamte Stück hinweg auf dem tiefen Ton, dem Kontrapunkt bleibt. Ohrwall gelingt es in seinem Werk, der Freude Ausdruck zu verleihen – der Freude über „Verbum caro factum est“ (Das Wort ist Fleisch geworden) ebenso wie über die vielen, Seligkeit ausstrahlenden Textstellen. Die langsame Bassmelodie des Fagotts umtanzte dabei die flinken Flötentöne. Und der Chor ließ sich anstecken von der in die Musik gepackten Freude. Noch kindlicher, noch echter vertonte Öhrwall die Beglückung der Hirten. Kinderliedhafte Hirtenmelodien, die glaubhaft das Glücksgefühl über das Ereignis im Stall zu Bethlehem widerspiegeln, tönten in der Kirche und vereinten Instrument und menschliche Stimme zu einem wohlklingenden Klangkörper. Als der letzte Ton verklungen war brandete Applaus auf.

Mit „Jesus bleibet meine Freude“ von Johann Sebastian Bach, zum krönenden Abschluss wurden die leider nur wenigen Zuhörer in die klirrend kalte Nacht verabschiedet.