Hinaus in die Natur Juli 2014

Di, 08. Juli 2014
Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.
von: Gero Schreier

Romantische Wanderlust

Der Freiburger Kammerchor konzertierte in Herdern.

„Hinaus in die Natur“ – so rief der Freiburger Kammerchor jetzt mit seinem Programm in die Urbanskirche des Stadtteils Herdern. Das war nicht ohne Ironie. Durch die gediegene Chorkultur, die hier geboten war, durfte man sich indes für den sonnigen Sommerabend, den man draußen verpasste, reichlich entschädigt halten. Frisch und fließend, romantische Wanderlust evozierend die Eröffnung mit drei der „Vier Gesänge“ op. 59 von Robert Schumann. Bemerkenswert der schön gerundete, homogene Gesamtklang des Ensembles, die bewegliche Diktion, der interpretatorische Zug. Die Sängerinnen und Sänger leisten unter Leitung von Lukas Grimm ganze Arbeit.

Die das Programm dann abschließenden zwei „doppelchörigen Gesänge“ aus Schumanns op. 141 gelingen interpretatorisch gleichermaßen adäquat, wenn auch klanglich nicht mehr ganz so entspannt: Dass ein anspruchsvolles Programm, dargeboten auf hohem Niveau, seinen Preis fordert, verwundert nicht. Stets beeindruckt aber die Sorgfalt, mit der Gegensätze konturiert, Differenzierungen vorgenommen werden. Wehmut durchzieht hier hörbar die Werke, bevor eine Stretta nochmals Optimismus mobilisiert („Hell strahlt das Morgenrot!“).

Tonmalerei der Renaissance


Der „Chant des Oyseaulx“ des Renaissance-Meisters Clément Janequin bringt teils humoristisch leerlaufende Tonmalerei, die hier – wohl auch im Zusammenhang mit der Zahlenstärke des Chors – nicht ganz so bissig wirkt, doch erklingt die Partitur in ausgearbeitetem, stringentem Vortrag. Von Maurice Ravels „Trois Chansons“ bleibt vor allem „Trois beaux oiseaux“ im Ohr: Die Vokalisen des Chors verharren ätherisch, schwellen sprunghaft an, sinken zurück. Dazu drei Solisten aus den Reihen des Chors, den größten Part bestreitet Annina Merz (Alt).

Namentlich Edward Elgars „Two part-songs“ op. 73 schlagen melancholische Töne an. Trefflich passen dazu die nachdenklichen Töne aus Benjamin Brittens erster Suite für Cello solo, die Markus Tillier einbringt. Zur eigenartig grüblerischen Lagenspreizung des „Canto secondo“ passt die etwas schwermütige Lustigkeit der Pizzicato-„Serenata“. Den späteren Avantgardisten György Ligeti hört man in seiner frühen Cellosonate sehr melodisch-harmonisch, Ernest Bloch zeigt sich in seiner ersten Cellosuite nachgerade neobarock. Tilliers Darbietungen harmonieren dabei schön mit den Chorstücken, sind akkurat und luftig vorgetragen.