Faurés Requiem

 

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(veröffentlicht am Mo, 14. Oktober 2013 auf badische-zeitung.de)
 von: Gero Schreier

Düsterer Wirbel

Faurés Requiem: Freiburger Kammerchor und Elztal-Sinfonietta.

Französisch in Bausch und Bogen war das Programm, mit dem Freiburger Kammerchor und Elztal-Sinfonietta unter Lukas Grimm aufwarteten. Das galt nicht nur für die Komponisten, deren Werke in der Freiburger Herz-Jesu-Kirche zu hören waren und am Vorabend in Ihringen. Die Ausführenden trafen auch glücklich jene Mischung von pastellig-leuchtendem, gedeckten Kolorit und klanglicher Durchsichtigkeit, die für die französischen Komponisten um das Jahr 1900 so bezeichnend ist. Das galt für die Werke von Gabriel Fauré, vorweg von seinem oft gehörten Requiem, aber auch von den kleiner dimensionierten „O Salutaris“ und „Les Djinns“. Letzteres Werk hatte Kammerchor-Leiter Grimm für Chor und Kammerorchester bearbeitet. Stilecht die sparsame, aber effektvolle Instrumentierung. In der Ausführung fällt sogleich auf, was den ganzen Konzertabend kennzeichnen wird: Chor und Orchester ziehen geschwungene, meist bruchlose Spannungsbögen, die auch klanglich schön gestaltet sind. So in den „Djinns“, das, nach zögerlichem Beginn und einem schaurigen Aufbrausen in der Mitte, wieder düster in sich zusammensinkt.

Freilich war manche klangliche Finesse in der halligen Kirchen-Akustik nur schwer nachzuvollziehen. Bei Claude Debussys „Danse sacrée et danse profane“ für Soloharfe (Birke Falkenroth) und Streichorchester, die den Ausführenden als feine, duftige Miniaturen gelangen, war das besonders zu bedauern. Louis Viernes „Stèle pour un enfant défunt“ für Orgel kam besser zur Geltung: Lydia Schimmer nutzte stilsicher die klanglichen Möglichkeiten (Registrierung, Schweller) der Orgel.

Alle Vorzüge, die Kammerchor und Elztal-Sinfonietta in gestalterischer und klanglicher Hinsicht aufzubieten hatten, kommen in Faurés Requiem zum Tragen. Die Vokalisten erfreuen mit einem durchweg homogenen, warmen Gesamtklang. Wunderschön klar und rein gelingen anfangs des Offertoriums die A-cappella-Passagen von Alt und Tenor im Wechselspiel mit den flächig hingebreiteten Parts von Bratschen und Celli. Größere wie kleinere Nummern gelingen geschlossen und stimmungsvoll, so das „Pie Jesu“ (Knabensopran: David Leander Fangmeier).

Ein kleiner Höhepunkt ist das „Libera me“: Auf die vorweggestellte Solo-Partie (solide, zuverlässig: Clemens Morgenthalers Bariton) antwortet der Chor mit der dringlich-bewegten Reminiszenz an das Jüngste Gericht. Ein konziser Kommentar der Blechbläser mit düsterem Trommelwirbel leitet über zur schattenhaft gedämpften Wiederholung des „Libera me“ durch den Chor, der hier wie stets prägnant und flexibel gestaltet.

In musikalischer und emotionaler Hinsicht ist der Nagel auf den Kopf getroffen.